Vermeidbarer Tod
Infografik Nr. 707155
In der EU wären 2023 rund 1 Million Sterbefälle vermeidbar gewesen, sei es durch bessere medizinische Behandlung und Pflege oder durch umfassende öffentliche Gesundheitsmaßnahmen. Die Sterberaten lassen große Unterschiede zwischen den einzelnen EU-Ländern erkennen. Wo steht Deutschland in diesem Vergleich? Machen Sie sich Ihr eigenes Bild!
In der EU starben 2023 fast 1,6 Mio Menschen im Alter von unter 75 Jahren. Ein großer Teil dieser Todesfälle hätte vermieden werden können. Gesundheitsforscher gehen davon aus, dass viele Krankheiten so weit behandelbar sind, dass sie nicht zum Tode führen müssen, zumindest nicht zu einem so frühen Zeitpunkt. Je besser ein Gesundheitssystem funktioniert, desto geringer also der Anteil solcher vorzeitigen Todesfälle. Folgt man dieser Überlegung, können die Sterberaten als grober Vergleichsmaßstab für die Qualität der Gesundheitsversorgung eines Landes dienen. Und es lässt sich fragen, wo noch Schwachstellen liegen: in der Finanzierung des Gesundheitswesens etwa oder im medizinischen Leistungsspektrum – von der Früherkennung und Diagnose über die ambulante und stationäre Behandlung, die Ausstattung mit Geräten und Medikamenten bis zur Pflege und Nachsorge.
Nach Zahlen von Eurostat wären in der EU 2023 allein 376 000 Sterbefälle durch bessere medizinische Behandlung und Pflege vermeidbar gewesen – im Durchschnitt 87 Sterbefälle je 100 000 Einwohner. Im Vergleich der EU-Länder schneiden Luxemburg, Schweden, Frankreich, Belgien und die Niederlande mit weniger als 60 auf diese Weise vermeidbaren Todesfällen am besten ab. Deutlich höhere Raten – zwischen 107 in Tschechien und 200 in Rumänien – weisen dagegen die östlichen EU-Mitgliedstaaten auf. Darin finden die finanziellen Beschränkungen und der immer noch bestehende Nachholbedarf beim Ausbau des Gesundheitswesens in diesen Ländern ihren Ausdruck.
Noch weit mehr vorzeitige Todesfälle (2023: rund 655 000) ließen sich durch umfassende Vorbeugungsmaßnahmen vermeiden. Dabei ist besonders an Aufklärungskampagnen, Unfallverhütungsmaßnahmen, an die Vermeidung von Umweltschäden, die Einschränkung des Tabak- und Alkoholkonsums, aber auch an entschiedenes Vorgehen gegen die Ausbreitung von Seuchen zu denken. Die Bandbreite der dadurch vermeidbaren Sterbefälle je 100 000 Einwohner lag 2023 zwischen 90 auf Zypern und mehr als 300 in Ungarn und Lettland. Da mancher vorzeitige Todesfall sowohl durch bessere Behandlung als auch durch erweiterte Vorbeugungsmaßnahmen hätte verhindert werden können, ergänzen sich die Ergebnisse beider Teilbereiche. Für die gesamte EU geht Eurostat von 1,0 Mio Todesfällen (2023) aus, die so oder so vermeidbar gewesen wären. In allen EU-Ländern waren mehr Männer als Frauen von vorzeitigen Sterbefällen betroffen Hauptursachen der vermeidbaren Todesfälle sind Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Lungenkrebs, Hirngefäßerkrankungen (z.B. Schlaganfall), Darmkrebs und alkoholbedingte Erkrankungen.
| Ausgabe: | 09/2026 |
| Produktformat: | eps-Version, Komplette Online-Ausgabe als PDF-Datei. |
| Reihe: | 53 |
| Reihentitel: | Zahlenbilder |